Aus seinen Bildern lacht das Leben

Hartwig Unterbergers künstlerisches Verständnis zeigt sich in seinen Bildern ganz ungekünstelt. "Die Nymphe" ist ein Ölbild, in dem zwei Gestalten au Aus seinen Bildern

Hartwig Karl Unterberger wird am 18. September 1934 als drittes von vier Kindern der Franziska Unterberger, geb. Seitz, und des bekannten Tiroler Malers und Bildhauers Karl Severin Unterberger (1893-1984) in Schwaz geboren. Das Geburtshaus des Künstlers, das ursprünglich im Besitz des nahegelegenen Franziskanerklosters war, wurde früher nach der Künstlerfamilie als "Unterbergerhaus2 bezeichnet, während das Haus, das in der Burggasse in Schwaz steht, heute als "Fidelis-Hof" bekannt ist. Dort erlebt der Künstler seine Kindheit und Jugend.

Das immer wiederkehrende Motiv des Franziskus lässt vermuten, dass die Nähe zum Franziskanerkloster nicht nur eine räumliche ist. Im Krieg lernt er die Nächstenliebe der Brüder kennen und schätzen, was zu einer tiefen Verbundenheit mit der Philosophie des Ordensgründers führt. Das Verhältnis zum Christentum ist ein ambivalentes und wandelbares. Zwar schätzt er die Lehre und das Leben Christ, doch fehlt ihm das Naheverhältnis zur Institution Kirche. Viele Bilder entstehen durch die Faszination, die die Geschichten und Legenden der Heiligen auf Unterberger ausüben.

Nach Volks- und Hauptschule in Schwaz besucht Unterberger das "Kleine Seminar St. Gabriel" in Bischofshofen, wo er sich "mit Latein und Griechisch plagen" muss´, während sein Interesse dem Zeichnen und Malen gilt. Obwohl Karl Severin Unterberger Selbst Kunstmaler ist, unterstützt er das Interesse seines Sohnes nicht sofort. Erst als ein Künstlerkollege Zeichnungen des 14-jährigen sieht und das Talent entdeckt gibt Karl Severin dem Drängen des Sohnes nach: "Norer war schuld, da ich Künstler geworden bin. "Auf Anraten des Tiroler Malers Alois Norer, eines Freundes der Familie Unterberger, kehrt Hartwig nach den Sommerferien nicht mehr ans Gymnasium zurück, sondern besucht statt dessen die "Städtische Mal- und Zeichenschule " in Innsbruck bei Professor Toni Kirchmair.

Faszinierend auf den jugendlichen Unterberger wirkt die Kultur und Landschaft Italiens, die er auf einer gemeinsamen Radtour mit seinem Bruder Gerald nach Rom erstmals erlebt. Die Begegnung mit dem weiblichen Geschlecht wirkt wohl noch eher erschreckend. Als ein Mechaniker im Scherz als Bezahlung für einen neuen Reifen von den Buschen verlangt, dass sie seine schöne Tochter küssen sollen weigern sich die beiden jedenfalls standhaft. Das hat den Vater des Mädchens angeblich dazu veranlasst, sie wütend rauswerfen.

1951 wandert Karl Severin Unterberger nach Brasilien aus, ein Jahr später folgen ihm seine Söhne Hartwig und Gerald. Dort arbeiten Karl Severin und Hartwig Karl Unterberger im selben Atelier. Zahlreiche künstlerische Aufträge wie Fresken oder Glasmalereien in Kirchen übernehmen sie gemeinsam. Daneben verdient sich Hartwig sein Geld mit Bildern, aber auch Schnitzarbeiten. Als Karl Severin 1958 nach Österreich zurückkehrt, besucht Hartwig die "Academia de belas artes" in Sao Paulo, Seither ist er freischaffender Künstler. Unterbergers letzte große Arbeit in Brasilien führt ihn für drei Jahre nach Sao Carlos im Estado Sao Paulo, wo er die künstlerische Ausgestaltung der Igreja Sto. Antonio übernimmt.

In Brasilien lernt Hartwig Unterberner Christine von Helldorff kennen. Die beiden heiraten 1959. Die ersten beiden Kinder, Ingo und Sigrid, kommen in Südamerika zur Welt, Heidrun wird später in Tirol geboren. Die Entscheidung zwischen Familienleben und Künstlerdasein ist nicht einfach. Unterberger wählt beides. Daraus entsteht die Notwendigkeit, ständig kreativ sein zu müssen, um die Familie zu erhalten, was wohl auch zu der großen Anzahl seiner Werke beiträgt.

Hartwig Karl Unterberger kehrt 1964 mit seiner Familie nach Europa zurück. Anfangs wohnen sie in Meran, aber schon bald übersiedeln sie in seine Heimat Nordtirol. Zahlreiche Aufträge für Gemeinden, Hotels und öffentliche Bauten lassen Unterberner bekannt werden. Sein vielseitiges künstlerisches Schaffen umfasst Plastiken in Stein, Holz, Kupfer und Bronze, Ölbilder, Grafiken und Holzschnitte sowie Fresken, Glasmalereien und Tafelbilder. Märchen, Mythen und Legenden stellen vielfach den Stoff seiner Werke dar, die Thematik ist mannigfaltig, aber meistens ist es das Leben, das aus seinen Arbeiten lacht. Unterberner bewegt sich bewusst außerhalb aller "modernen" Kunstrichtungen, was sich besonders im zynischen Optimismus seiner Bilder manifestiert. Heute leben Tina und Hartwig Unterberner in Münster, das Atelier befindet sich in der Ludwig-Penz-Straße in Schwaz, nahe seinem Elternhaus.

Mit einer Ausstellung aus seinem bisherigen Werk als Bildhauer und Maler feiert das Rabalderhaus Hartwig Karl Unterbergers 65-jähriges Jubiläum. Der Katalog zur Ausstellung versucht das gesamte Repertoire des Künstlers vorzustellen. So enthält er neben den ausgestellten Bildern und Plastiken auch ortsgebundene Objekte wie Fresken, Glasmalereien und Tafelbilder.

In freundschaftlicher Verbundenheit

Mag. Armin Moser

Aus seinen Bildern lacht das Leben

Hartwig Unterbergers künstlerisches Verständnis zeigt sich in seinen Bildern ganz ungekünstelt. "Die Nymphe" ist ein Ölbild, in dem zwei Gestalten aus der griechischen Mythologie dargestellt sind: Eine Nymphe sitzt an ihrer Quelle, spielt mit dem Wasser und lauscht dem Flötenspiel Pans. Beide Figuren sind glücklich mit sich und der dargestellten Welt und scheinen in diesem Augenblick verweilen zu wollen... Oder hat Pan ganz andere Absichten? - Hartwig Unterberger fängt in seinen Bildern oftmals ambivalente Momente ein.

In der "Nymphe" ist es ein raffiniert angelegter doppelter Boden, der dem Betrachter offen lässt, ob er darin ein statisches Stimmungsbild oder eine dynamische Geschichte sehen will. Diese Offenheit ist vom Maler intendiert, bürgt sie doch für kontroverse Diskussion.

Zur Gallerie
Kommentar übers Buch
öffentliche Arbeiten
Stein, Holz und Metall